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Unser Stamm

 

Die Leute unseres Stammes sind leicht zu erkennen:

sie gehen aufrecht, haben Funken in den Augen

und ein Schmunzeln auf den Lippen.

 

Sie halten sich weder für heilig noch erleuchtet.

Sie sind durch ihre eigene Hölle gegangen,

haben ihre Schatten und Dämonen angeschaut,

angenommen und offenbart.

Sie sind keine Kinder mehr,

wissen wohl was ihnen angetan worden ist,

haben ihre Scham und ihre Rage explodieren lassen

und dann die Vergangenheit abgelegt,

die Nabelschnur abgeschnitten und

die Verzeihung ausgesprochen.

 

Weil sie nichts mehr verbergen wollen,

sind sie klar und offen.

Weil sie nicht mehr verdrängen müssen,

sind sie voller Energie, Neugierde und Begeisterung.

Das Feuer brennt in ihrem Bauch!

 

Die Leute unseres Stammes kennen

den wilden Mann und die wilde Frau in sich

und haben keine Angst davor.

Sie halten nichts für gegeben und selbstverständlich,

prüfen nach, machen ihre eigenen Erfahrungen und

folgen ihrer eigenen Intuition.

 

Männer und Frauen unseres Stammes

begegnen sich auf der gleichen Ebene,

achten und schätzen ihr "Anders"-Sein,

konfrontieren sich ohne Bosheit und lieben ohne Rückhalt.

 

Die Leute unseres Stammes gehen oft nach innen,

um sich zu sammeln,

Kontakt mit den eigenen Wurzeln auf zu nehmen,

sich wieder zu finden,

falls sie sich durch den Rausch des Lebens verloren haben.

 

Und dann kehren sie gerne zu ihrem Stamm zurück,

denn sie mögen teilen und mitteilen,

geben und nehmen, schenken und beschenkt werden.

 

Sie leben Wärme, Geborgenheit und Intimität.

Getrennt fühlen sie sich nicht verloren wie kleine Kinder und

können gut damit umgehen.

Sie leiden aber an Isolation und sehnen sich nach ihren Seelenbrüdern und -schwestern.

 

Die Zeit unserer Begegnung ist gekommen.

 

 

Verfasser unbekannt, Änderung Susanne Reichard